Bayerischer Gletscherbericht: „Zukunft ohne Eis“

Nördlicher Schneeferner im September 2020. Photo: UFS GmbH
Schon jetzt ein trauriger Anblick: Nördlicher Schneeferner im September 2020. Photo: UFS GmbH

Am 29. April stellte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber in München den 2. Bayerischen Gletscherbericht vor. Dabei machte er klar, dass in nur wenigen Jahren, die Gletscher in Bayern verschwunden sein werden. Er sprach von einer „Zukunft ohne Eis“. Im Gletscherbericht sind die aktuellen Forschungsergebnisse zum derzeitigen Status der bayerischen Gletscher sowie Zukunftsprognosen und damit verbundene Folgen enthalten.

Der Bericht zeigt dabei klar, dass das ewige Eis immer schneller verschwindet: In rund zehn Jahren, haben die bayerischen Alpengletscher zwei Drittel ihres Volumens verloren. Von den derzeit noch fünf existierenden Gletschern, könnte bereits 2030 der letzte verschwunden sein. „Unser Ziel muss deshalb lauten: So schnell wie möglich in eine klimaneutrale Zukunft – mit einem ehrgeizigen Klimaschutzgesetz, konkreten Maßnahmen und neuen Ideen“, so Glauber.

Er betonte außerdem die mehrfach die Notwendigkeit der Arbeiten auf der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus, die er als „Speerspitze der Klimaforschung“ betitelte. „Sie liefert europaweit einzigartige Erkenntnisse. Wir werden uns deshalb in Brüssel dafür einsetzen, dass sie zukünftig auch von der Europäischen Union unterstützt wird“, so Glauber. Investitionen in Höhe von bis zu 7,5 Millionen Euro seien daher in den nächsten Jahren geplant, um die Forschungsstation fit für die Zukunft zu machen.

Neben dem Umweltminister kamen auch der Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (BAdW) Prof. Dr. Thomas O. Höllmann zu Wort, sowie BAdW-Glaziologe Dr. Christoph Mayer. Beide waren maßgeblich an der Erstellung des Berichtes beteiligt. Mayer machte klar, dass ein Verschwinden der Gletscher sich in vielfältiger Weise auf unseren Lebensraum auswirken wird. Sowohl für den Wasserhaushalt, als auch als Indikatoren für klimatische Veränderungen sind sie von großer Bedeutung. Nicht zu unterschätzen seien außerdem die Folgen für den Tourismus: Sowohl im Sommer als auch im Winter stellen die Gletscher einen Besuchermagnet dar, den in Zukunft nicht mehr vorhanden sein wird.

Fakten aus dem Bayerischen Gletscherbericht:

  • Aktuell gibt es in den bayerischen Alpen noch fünf Gletscher: neben dem südlichen noch den nördlichen Schneeferner und den Höllentalferner südlich von Garmisch-Partenkirchen sowie den Blaueis und den Watzmanngletscher im Berchtesgadener Land.
  • Die Gletscher verlieren seit Jahren kontinuierlich große Wassermengen. Allein der nördliche Schneeferner auf der Zugspitze schmilzt alle 30 Sekunden um fast 250 Liter Wasser ab.
  • Die aktuellen Erkenntnisse gehen dahin, dass der letzte bayerische Gletscher bereits Anfang der 2030er verschwunden sein könnte. Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass dies erst gegen Mitte des Jahrhunderts der Fall sein wird. Die Eisreste des südlichen Schneeferner werden bereits in wenigen Jahren abgeschmolzen sein.
  • Gletscher übernehmen wichtige Aufgaben im Wasserhaushalt, indem sie Gebirgsbäche und Flüsse auch während längerer Trockenperioden im Sommer mit Schmelzwasser versorgen. Dadurch bleiben Ökosysteme erhalten. Außerdem schützen die Eispanzer labile Bergflanken und verhindern so ein Abrutschen.
  • Ursache für das Gletschersterben ist in erster Linie die weltweite Klimaveränderung, welche mit einem deutlichen Temperaturanstieg einhergeht. In den Alpen ist der Anstieg mit rund 2 Grad Celsius dabei nahezu doppelt so hoch wie der globale Durchschnittswert. Das Klima auf 3.500 Metern Höhe hat sich an die zuvor 500 Meter tiefer vorherrschenden Verhältnisse angenähert.
  • Auch im Inneren der Berge gibt es Veränderungen: der Permafrost taut. Geht er verloren, verlieren die Berge zusätzlich an Stabilität.